Interview mit David Belle - Februar 2008

Wir haben für euch ein aktuelles Interview mit David Belle übersetzt. Interviewt wird David von Mathieu Kassovitz, der auch den einleitenden Text geschrieben hat. Bild und Ton kommen von Dailymotion, die Übersetzung von Maryam Rahimi. Viel Spaß beim Schauen und Lesen!

Mathieu Kassovitz und David Belle

“Ich habe David Belle in dem Film Banlieu 13 (Ghettogangz – Die Hölle vor Paris) entdeckt und ich hatte das Glück ihn erneut zu treffen und mit ihm in Babylon A.D. zusammenzuarbeiten. Ich habe einen Menschen kennengelernt, der es geschafft hat seine Kunst gegen seinen eigenen Willen auf ein internationales Niveau emporzuheben. Diese Situation übertrifft ihn selbst und motiviert ihn.

Parkour ist für mich unmittelbar mit Breakdance verwandt. Parkour birgt einen wahren Geist in sich und eine Lebensart, die der des Kampfsportes sehr nahe kommt.

David ist diskret und reserviert. Es gefällt ihm nicht, sich zu dem was er macht und sucht, äußern zu müssen. Es ist eine Aufgabe, die sich in seinem Inneren abspielt und ihm tagtäglich viel abverlangt, so wie sein Vater es ihm beigebracht hat. Jugendliche aus aller Welt entdecken diese neue Art der urbanen Ausdrucksweise und erkunden zeitgleich ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen. Wir wollten alle fliegen, springen und wieder zum Tier werden. David hat es geschafft.

Ich denke, dass man sich in einigen Jahren an seine Person so erinnern wird, wie man sich heute noch an die Begründer der Kampfsportarten Karate und Judo erinnert.

Jene, die Parkour noch nicht zu schätzen wissen, können nach dem Interview in Bildern sehen, was Parkour von David Belle wirklich ist. Haltet den Atem an.”

Mathieu Kassovitz
15.02.2008, Quelle hier

Interview mit David Belle in deutscher Übersetzung

Mathieu Kassovitz (MK): “Hallo David. Kannst du bitte erklären, was Parkour genau ist? Was bedeutet Parkour persönlich für dich, und wo kommt es her? Was steckt hinter dieser Akrobatik?”

David: “Parkour ist für mich vieles. Es ist eine Kunst, die mir sehr viel bedeutet, weil sie von meinem Vater stammt. Sie gibt den Bewegungen einen Sinn. Ich habe Leichtathletik, Gymnastik und vieles mehr gemacht, um mich fit zu halten, ohne zu wissen, wozu das gut sein sollte. Doch als mir mein Vater von Parkour erzählte, und welche körperlichen Vorteile er dadurch hatte, begriff ich, warum man sich bewegt, wozu man Beine und Arme hat.”

MK: “Was bedeutete Parkour für deinen Vater?”

David: “Parkour ist eine Trainingsmethode. Damit bereitet man sich körperlich auf die Überwindung von Hindernissen vor, um sich selbst und seine Familie zu schützen. Das ist wie ein Hindernislauf eines Kämpfers beim Militär, allerdings in einem urbanen Umfeld. Daraus ist nun Parkour Freestyle entstanden. Man sieht immer mehr Leute, die völlig ineffiziente Sprünge und Bewegungen machen. Ich verstehe das total, es ist ähnlich wie beim Skateboarden. Die Rolle z.B. ist ein Bestandteil des Freestyle. Es ist nicht effizient. Parkour ist an erster Stelle effizient. Es geht dabei darum, den Leuten Selbstvertrauen zu vermitteln und ihnen beizubringen, vorsichtig zu sein. Es gibt immer wieder welche, die nicht aufpassen und z.B. Treppen runterstürzen. Es ist eine Kunst, bei der man aufpassen muss. Es gibt einige Jugendliche, die Spaß daran haben, Drehungen zu machen. Ich sehe das als eine Art der Erweiterung des Parkour.”

MK: “Ist Parkour für dich eine Kampfsportart?”

David: “Lediglich in der Philosophie von Parkour. Das einzige Element des Kampfsports im Parkour ist die Konfrontation mit dem Hindernis. Im Kampfsport muss man den Gegner bekämpfen oder ihm wehtun, um seine eigene Stärke zu demonstrieren. Bei einem Hindernis begegnest du dir selbst, du kämpfst gegen dich selbst.”

MK: “Warum ist die Ästhetik der Bewegungen genauso wichtig wie die Leistung an sich?”

David: “Die Ästhetik ist ein Zeichen der Liebe, die man dem Sport entgegenbringt. Man muss nicht eine Bewegung ausführen, die schön ist. Ich denke eher, dass es die Kraft ist, die eine Bewegung schön aussehen lässt, wie z.B. bei einem Affen oder einem Puma. Wenn der Puma einen Fluss überspringt, sieht das einfach schön aus. Und er versucht dabei nicht, schön auszusehen, sondern so exakt wie möglich zu springen. Am Anfang muss man vor allem an den effizienten Aspekten arbeiten.”

MK: “Es geht also im Grunde darum, sich aus einer heiklen Situation retten zu können?”

David: “Ja, indem man Wege findet, die Mauern, die uns umgeben, zu überwinden.”

MK: “Eine schöne Philosophie, viel Erfolg!”

14.02.2008, Quelle hier

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